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Nosokomialen Infektionen

Montag, 13. September 2010 | Autor:

J√§hrlich sind 30.000 bis 40.000 vermeidbare Tode zu beklagen, welche durch Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen) sterben. Zu diesen vermeidbaren Toten kommen noch ca. 700.000 Krankenhausinfektionen, die durch sorgf√§ltige Beachtung der Hygienerichtlinien h√§tten vermieden werden k√∂nnen. Veranschaulicht an Franken sind dies 3.032 vermeidbare Tode, das hei√üt, j√§hrlich wird eine Gemeinde von der Gr√∂√üe Biebelrieds ausgel√∂scht. Auf Franken heruntergebrochen w√§ren auch die 34.400 Nosokomialinfektionen bei einem sicheren Hygienemanagement ebenso vermeidbar gewesen. Somit fallen j√§hrlich etwa zwei St√§dte wie Kitzingen und Werneck zeitweise f√ľr die Volkswirtschaft aus. Die Kosten f√ľr ein derartig desastr√∂ses Hygienemanagement m√ľssen die Unternehmen und Krankenkassen explizit die Volkswirtschaft tragen.

Wenn jetzt Forderungen laut werden, um mehr Geld f√ľr die Durchsetzung der Hygieneziele zu erreichen, so gehen diese Forderungen fehl. Jeder zus√§tzliche Krankheitstag, der vermeidbar ist, bindet finanzielle Mittel, die das Krankenhaus, die Volkswirtschaft und die Versicherten leisten m√ľssen. Ohne diese Nosokominalinfektionen k√∂nnten diese Finanzmittel f√ľr andere z. B. Modernisierungsma√ünahmen eingesetzt werden. Spardruck m√ľssten die Krankenhausverwaltungen zu einem effektiven Hygienemanagement anspornen.

Nicht zus√§tzliche Mittel sind erforderlich, sondern das Verst√§ndnis f√ľr die notwendigen Ma√ü-nahmen. Hierzu ist es notwendig, dass die F√ľhrungspersonen mit Vorbildfunktion ihren Mitarbeitern vorangehen. Eine H√§ndedesinfektion nach jedem Patienten sollte bei den √Ąrzten selbstverst√§ndlich sein. Ebenso muss es selbstverst√§ndlich sein, dass die An√§sthesistin nicht mit einem Br√∂tchen im Mund ihre Arbeit im OP verrichtet. Seri√∂se Studien zeigen auf, dass die H√§nde des Pflegepersonals hygienisch besser ‚Äěaufbereitet‚Äú sind, als die H√§nde der √Ąrzte. Auch der Zeitfaktor kann nicht als Ausrede herangezogen werden, denn w√§hrend des Ganges von einem zum anderen Patienten ist gen√ľgend Zeit sich die H√§nde zu desinfizieren. Aus eigener Praxis ist mir diese Vorgehensweise vertraut.

Unter Ber√ľcksichtigung der Fakten und den vorhandenen Studien w√§ren folgende Ma√ünahmen zu √ľberdenken:

  • Erg√§nzung des Infektionsgesetzes mit Vollzughinweis
  • Verbesserung der hygienischen Ausbildung in den medizinischen Studienf√§chern unter Einbindung der Hygienestandards
  • Einf√ľhrung eines sechssemestriges Studium im Hygienemanagement mit Bachelorabschluss
  • Eigenst√§ndiges Hygienemanagement an den Krankenh√§usern, welches in der Stabsstelle einzugliedern ist. Die Leitung sollte durch einen Absolventen des Studienfaches Hygienemanagement √ľbernommen werden.
  • Verpflichtende, intensive hygienische Schulungen des √§rztlichen und pflegerischen Personals an den Krankenh√§usern bei der Einstellung und in einem Wiederholungsrhythmus.

Zusammenfassend kann ausgef√ľhrt werden, dass bei konsequenter Verwirklichung dieser Ma√ünahmen die Nosokomialinfektionen gesenkt werden k√∂nnen. Bei durchg√§ngiger Anwendung der ‚ÄěRichtlinie f√ľr Krankenhaushygiene und Infektionspr√§vention‚Äú ist kein neues Gesetz erforderlich, sondern nur eine entsprechende Erg√§nzung des Infektionsschutzgesetzes mit einem Vollzughinweis. Der volkswirtschaftliche Nutzen und der Nutzen f√ľr das einzelne Krankenhaus sind erheblich h√∂her, als die finanziellen Aufwendungen f√ľr ein modernes Hygienemanagement. Dadurch w√ľrden nicht nur die finanziellen Ressourcen geschont, sondern freigesetzt und auch das unermessliche Leid, welches die Betroffenen trifft, verhindert.

Mit fr√§nkischen Gr√ľ√üen

Oskar G. Weinig M.A.
Gesundheitswissenschaftler
AK-Leiter Gesundheit

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