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Einmal Oberbayern und zurĂŒck? Der lange und beschwerliche Weg fĂŒr frĂ€nkische Lehrerinnen und Lehrer

Montag, 23. August 2010 | Autor:

Zehntausende von Kilometern mussten frĂ€nkische Lehrerinnen und Lehrer teilweise schon in den letzten sechs oder acht Jahren oder einem noch lĂ€ngeren Zeitraum zurĂŒcklegen, um aus ihren Heimat-Regierungsbezirken an ihren Arbeitsplatz in Oberbayern zu gelangen. Das bedeutet am Wochenende eine Hunderte von Kilometern lange Auto- oder Zugfahrt bei jeder Witterung.

BegrĂŒndet wird dies damit, dass der Lehrerbedarf in Oberbayern sehr viel grĂ¶ĂŸer ist als in den frĂ€nkischen Regierungsbezirken. Diese Tatsache lĂ€sst sich auch nicht leugnen. Genauso unbestreitbar ist aber, dass man mit den Betroffenen vorher in keinster Weise ĂŒber diese Gegebenheiten gesprochen hat und sie absolut unvermittelt in diese Situation gekommen sind. Nach Ende des Referendariats heißt die Entscheidung fĂŒr viele dann – Oberbayern oder arbeitslos.

Vor einigen Jahrzehnten als die Bedarfslage noch umgekehrt war, hat man auf den Lehrermangel im Norden anders reagiert. Vor allem wurde der zeitliche Rahmen klar abgesteckt und die Betroffenen konnten nach kurzer Zeit in ihren Heimatregierungsbezirk zurĂŒckkehren.

Heute besteht das eigentliche Problem darin, dass diejenigen, die sich in dieser misslichen Lage befinden, ĂŒber keinerlei Lobby verfĂŒgen. Die Rolle der eigentlichen InteressenverbĂ€nde wie die des BLLV ist in dieser, wie auch in einigen anderen Fragen, mehr als kritisch zu betrachten! Auch bei Vertretern der etablierten Parteien finden die Betroffenen keinerlei weiterfĂŒhrende UnterstĂŒtzung!

Ungerecht ist die Vorgehensweise vor allem deshalb, weil viele nicht in den „Genuss“ dieses jahrelangen Pendels von einem Teil Bayerns in den anderen kommen. Es kann einfach nicht sein, dass jemand fĂŒr den gleichen Verdienst sein ganzes Berufsleben lang nicht ĂŒber die Landkreisgrenzen hinaus versetzt wird und andere jahrelang durch ganz Bayern fahren mĂŒssen! Der finanzielle Aufwand, der durch die Fahrtkosten und die doppelte HaushaltsfĂŒhrung besonders im Einzugsgebiet von MĂŒnchen verursacht wird, ist immens groß (Stichwort: LebenshaltungskostengefĂ€lle Nord–SĂŒd).

Es ist absolut nicht zu akzeptieren, dass kein zeitlicher Rahmen festgelegt wird. Man kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass man die Betroffenen dadurch bewusst zermĂŒrben möchte und sie sich schließlich mit einem Verbleib in Oberbayern abfinden! Scheinbar gibt es bei der Polizei, die oft als Vergleichsgruppe herangezogen wird, ein solches zeitliches Limit. (5 Jahre Höchstverweildauer!) Warum sollte das hier möglich sein und bei den Lehrern nicht?

Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei der RĂŒckversetzung nur bestimmte Gruppen von Leuten berĂŒcksichtigt werden. Ledige werden hierbei nicht einmal mit einem geringen Prozentsatz einbezogen. Auch wenn es die LandtagsbeschlĂŒsse von 1984 und 2004 gibt, die FamilienzusammenfĂŒhrungen in den Vordergrund rĂŒcken, ist es dennoch so, dass ledige Antragsteller die große Mehrheit bilden. Man kann diese Gruppe nicht einfach außen vor lassen!

Es gibt Prognosen, die den wahrscheinlich zu erwarteten Lehrerbedarf bis in das Jahr 2025 berechnen. Solche Vorausschau hat es sicherlich auch schon vor 10 Jahren gegeben. Es muss also davon ausgegangen werden, dass man die Junglehrer mutwillig in diese Position manövriert hat, nur um im sĂŒdlichen Raum von Bayern genug Personal zu haben.

Die Kritik der Betroffenen richtet sich in keinster Weise gegen die Menschen in Oberbayern! NatĂŒrlich nicht gegen die SchĂŒler, nicht gegen die Eltern, die Schulaufsicht oder die Kollegen. Denn viele haben jetzt schon jahrelang ihren Beruf dort unter vernĂŒnftigen Bedingungen ausĂŒben können.

Die Kritik richtet sich einzig und allein aber mit allem Nachdruck gegen diese absolut ungleiche und ungerechte Behandlung, wie mit Lehrern – „in scheinbar einem Bayern“ – mit gleicher Ausbildung (!) so unterschiedlich umgegangen werden kann. Jeder der nie irgendwohin versetzt wurde – hĂ€tte zumindest einen ganz erheblichen finanziellen Obolus zu leisten, um diese Schieflage nur annĂ€hernd auszugleichen. „Montage–Zulagen“ sind auch in anderen großen Firmen ĂŒblich. Aber die meisten Betroffenen wollen einfach nur endlich wieder nach Hause. Denn auch sie haben Abitur gemacht, studiert und wollen eine ganz entscheidende Lebensphase nicht nur auf der Straße verbringen – wĂ€hrend andere MIT GLEICHER AUSBILDUNG (die bei der Staatsnote oft sogar schlechter abgeschnitten haben) eine Familie grĂŒnden, ein Haus bauen und ĂŒberhaupt nicht in diese AblĂ€ufe einbezogen werden.

Der bayerische MinisterprĂ€sident Horst Seehofer hat sich in einem BR extra am 09.10.2008 folgendermaßen geĂ€ußert: „Der Mensch findet IdentitĂ€t, Schutz, Geborgenheit in der Heimat; Heimat ist Widerlager zur Globalisierung; der Mensch braucht IdentitĂ€t.“
Diese Feststellung sollte auch fĂŒr frĂ€nkische Lehrerinnen und Lehrer gelten!

Der Lehrerbedarf lĂ€sst sich ganz bestimmt nicht auf die letzte Planstelle voraussehen – man muss teilweise auf VerĂ€nderungen wie die 6-stufige Realschule oder das achtjĂ€hrige Gymnasium oder die besondere Bedarfslage in manchen Regionen flexibel reagieren. Aber dann mĂŒssen diese besonderen Gegebenheiten von ALLEN mitgetragen werden, die ein und denselben Beruf ausĂŒben!
Die Partei fĂŒr Franken möchte sich als Sprachrohr fĂŒr die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer und deren Angehörigen verstehen und sich fĂŒr deren Belange stark machen!

Arbeitskreis Schule und Bildung“ der Partei fĂŒr Franken im August 2010

Anliegen bzw. eine persönliche Sichtweise der Dinge können gerne direkt an den Arbeitskreis gesendet werden.
schule-bildung(at)die-franken.eu

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